Wissenschaftler und Praktiker diskutierten bei der BruderhausDiakonie über die Auswirkungen von freiwilligem Engagement auf die hauptberufliche soziale Arbeit
Reutlingen (bd) — Es gehe darum, sinnvolle Strukturen zu schaffen, in denen das Ehrenamt sich entfalten kann, sagte der Reutlinger Landrat Thomas Reumann in seinem Grußwort zur Tagung „Wenn die Einbeziehung Freiwilliger Pflicht wird …“. Die BruderhausDiakonie, das Diakonische Werk Württemberg und das Stuttgarter Institut für angewandte Sozialforschung hatten dazu eingeladen, das Verhältnis von freiwilligem Engagement und hauptberuflicher Tätigkeit in der sozialen Arbeit zu beleuchten. Weit über 100 Wissenschaftler und Praktiker aus sozialen Einrichtungen und der Verwaltung diskutierten, welche Auswirkungen es auf die Berufe im Sozialbereich hat, wenn zunehmend mit Freiwilligen zusammengearbeitet wird. „Soziales Engagement ist unser Erbe“, betonte Lothar Bauer, der Vorstandsvorsitzende der BruderhausDiakonie, in seinem Beitrag. „Auch wenn Diakonie heute im Rahmen des Sozialstaats handelt, bleibt es ihr unveräußerliches Kennzeichen, Zivilgesellschaft zu aktivieren und Freiwilligkeit zu fördern.“
Einig waren sich die Referenten und Teilnehmer, dass Menschen, die sich freiwillig engagieren, für die Klienten sozialer Einrichtungen und Dienste eine wichtige Brücke in die Gesellschaft bilden, dass sie Normalität und Alltag verkörpern, eine eigene Qualität in die soziale Arbeit einbringen – und Veränderungen in der Arbeit der Hauptberuflichen bewirken. „Ehrenamtliche sind jedoch kein Sparmodell“, warnte Paul-Stefan Roß, Professor an der Dualen Hochschule Stuttgart. Er stellte auf der Tagung die Ergebnisse einer dreijährigen Forschung vor, die am Beispiel der BruderhausDiakonie die Zusammenarbeit sozialer Einrichtungen mit Ehrenamtlichen untersuchte – mit besonderem Augenmerk auf die Rollenveränderung, die hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfahren. Von ihnen werde zunehmend nicht nur die eigene Hilfeleistung gefordert, sondern „die Kompetenz, andere zu befähigen, dass sie ihrerseits Hilfe leisten können“, so seine Erkenntnis.
Heike Baehrens, Vizechefin der württembergischen Diakonie, stellte in ihrem Schlusswort fest, es reiche nicht, das Hohelied des Ehrenamts zu singen: „Es braucht Konzepte.“ Ihr Fazit: Der sogenannte Personalmix – die geplante und gewollte Zusammenarbeit von Hauptberuflichen und Freiwilligen – sei „ein Übergang mit Ungewissheiten, Spannungen und Verlusten“.
Foto (von links): Der Reutlinger Landrat Thomas Reumann und Heike Baehrens, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Diakonie Württemberg, sowie Lothar Bauer, Vorstandsvorsitzender der BruderhausDiakonie betonten den gesellschaftlichen Wert freiwilligen Engagements
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